Sonntag, 29. Mai 2016

Haus, Frauen, Sex. - Margit Schreiner

Heute gibt es zur Abwechslung österreichische Gegenwartsliteratur. Dieses Buch gehört zu meiner Pflichtlektüre einer Vorlesung und darum teile ich meinen Leseeindruck mit euch.
(c) HAYMON tb

Inhalt:

"Nach zwei Jahrzehnten Ehe hat Resi Franz verlassen und den gemeinsamen Sohn mitgenommen. Seinen Job hat Franz auch verloren. Nun sitzt er in dem leeren Haus, das er eigenhändig für seine Familie errichtet hat, grollt und trinkt. Das Heimchen am Herd ist weg, das Männchen sinnt auf Rache. In einem verbalen Amoklauf schimpft er über Gott und die Welt, über die Frauen im Allgemeinen und Resi im Besonderen, über schmutzige Küchen und schlechten Sex - und entblößt sich dabei selbst als die Karikatur des verlassenen Ehemanns. Haus, Frauen, Sex."



Zum Buch:

Einband: Taschenbuch
Seitenzahl: 192
Erscheinungsdatum: 16.01.2012
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-85218-881-2
Verlag: Haymon Verlag
Amazon: Haus, Frauen, Sex


Meine Meinung:

Dieses Werk gehört zur Sparte der sogenannten "Männerselbsterfahrungsliteratur" (Polt-Heinzl 2011), Hier wird das universelle Verständnis der Männlichkeit dekonstruiert und neu entdeckt. Die Fiktion des Mannes wird von Margit Schreiner in diesem Buch vermehrt behandelt, sie bezieht sozialkulturelle Vorurteile mit ein und spielt mit diesen.
Wie schon dem Klappentext zu entnehmen ist dies eine Trennungsgeschichte, die monologisch erzählt wird. Der Protagonist führt das ganze Buch über einen Monolog, er schimpft was das Zeug hält und zieht über seine Ex-Frau her. Er macht sie schlecht und lässt sie klein wirken. Des weiteren scheint der Protagonist unter einer Krise seiner Männlichkeit zu leiden - „Dieses ganze Emanzipationsgerede kotzt mich an. Gleiche Rechte wollen, aber nicht bereit sein, das Geringste einzustecken. Immer nur austeilen, niemals einstecken.“ (S. 110).
Als Stilmittel zur Dramatisierung greift Margit Schreiner auf  die altbewährte Ironie zurück. Durch sie gelingt es ihr stereotypische Geschlechterrollen zu zeichnen, so stereotypisch, dass es an manchen Stellen schon fast schmerzt weiterzulesen. Es existieren nur die altbekannten Geschlechterrollen, der Mann verdient das Geld und die Frau hat den Haushalt zu machen und sich um die Kinder zu kümmern. Diese Geschlechterrollen werden allerdings durch die Scheidung aufgerissen und müssen vom Protagonisten erst verdaut werden. 
Den Perspektivenwechsel zwischen weiblicher Autorin und männlichem Protagonisten muss man als Leser dieses Buches auch erst mal verdauen.

Mit dem Faktenwissen versuche ich meine Abscheu gegenüber diesem Buch ein wenig zu verschleiern. Es ist ohne Frage ein gutes Werk, jedoch ist das Thema keines mit dem ich mich gerne auseinandersetze. Es war mir eine Qual es zu lesen und stellenweise musste ich es zur Seite legen, um mich nicht der schlechten Laune beziehungsweise Depression des Protagonisten auszuliefern.
Es ist einmal etwas anderes, im Gegensatz zu dem was ich sonst lese, eine nette Abwechslung, aber nichts was ich mit Freuden ein zweites Mal lesen wollen würde.